Jahresrückblick 2019

31. Dezember, 14:59 Uhr. In weniger als drei Stunden brechen wir zur Silvesterfeier auf. Ein guter Moment, viel zu spät die so geliebte Tradition des Jahresrückblicks zu begehen, also anzufangen. Und veröffentlichen, das weiß ich jetzt schon, werde ich ihn ohnehin erst später können. Aus Gründen.

Zugenommen oder abgenommen? Es ist ja völlig verrückt: Dieses Jahr haben meine Waage und meine Uhr mir gemeinsam eine Jahresauswertung per E-Mail geschickt. Beispielsweise habe ich mich im Januar 26 Mal gewogen. Am 25. Juni habe ich insgesamt nur drei Stunden und eine Minute geschlafen, am 18. August dafür zehn Stunden und 51 Minuten. Im Juli bin ich neunmal 10.000 Schritte gelaufen, die meisten Schritte – 18.828 – habe ich am 12. September geschafft. Insgesamt bin ich mit 8.519 Schritten durchschnittlich 1.474 Schritte mehr gegangen als andere Männer meines Alters, dafür habe ich aber im Schnitt 47 Minuten weniger geschlafen als sie. Obwohl ich am Wochenende 39 Minuten länger schlafe als in der Woche. Aber um die Frage zu beantworten: 1,9 Kilo runter, zwischenzeitlich waren es auch mal 2,7.

Haare länger oder kürzer? Noch grauer.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Dieses Jahr gab es wieder einmal eine neue Brille. Nahezu unveränderte Werte. Aber abends muss ich Bücher oder das Mobiltelefon jetzt immer weit weg halten, um ordentlich fokussieren zu können.

Mehr ausgegeben oder weniger? Der weiterhin absichtlich zu meinen Ungunsten gerechnete Jahresplaner weist ein Minus von knapp 1.200 Euro aus.

Mehr bewegt oder weniger? Das habe ich nicht protokolliert in diesem Jahr, das muss sich ändern. Es kann ja nicht sein, dass meine Uhr klüger ist als ich. Stichwort: Human Log. In einem recht langen Zeitraum, vielleicht von Ostern bis Oktober wie so ein Sommerreifen, war ich abends aber entweder auf dem Laufband oder mein eigenes Gym. Und danach auch immer wieder, aber nicht so konsequent.

Die teuerste Anschaffung? So bescheuert: Das neue Garagendach.

Das leckerste Essen? Glasnudelpfanne als Signature Dish. »Wer bestellt denn etwas mit Miesmuscheln«-Spaghetti im Caffé Verbano als Augenöffner. Schokofahrt-Schokolade als Entdeckung. The Wonder Burger als Guilty Pleasure.

Das beeindruckendste Buch? »Der Hals der Giraffe« (Judith Schalansky), das mich mit seiner Erzählweise umgehauen hat.

Der berührendste Film? »Depeche Mode: Spirits in the Forest« (Anton Corbijn), viel mehr als eine solche Documentary kann man als Band vermutlich nicht erreichen.

Das beste Lied? »Mamma Maria« (Ricchi e Poveri), vielleicht so etwas wie die Familienhymne in diesem Jahr.

Der beste Podcast? Das war ein insgesamt fantastisches Podcastjahr mit vielen Neuzugängen in Overcast. Von denen ist mir vermutlich »Deutschland3000 - 'ne gute Stunde mit Eva Schulz« am liebsten.

Die schönste Zeit verbracht mit? Meinen dreien.

Erfreut hat mich? Dass ich seit August morgens kein einziges Mal mit dem Auto zum Bahnhof gefahren bin, sondern in aller Regel das Fahrrad genommen habe oder gelaufen bin.

Welche drei Erlebnisse haben dieses Jahr besonders geprägt? Die zweite Pubertät. Das Ende der Kindergartenzeit. Das hohe Maß an Heimlichtuerei.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können? Das hohe Maß an Heimlichtuerei. Das elendig stotternde Auto. Alle Krankenhausbesuche.

Drei Dinge, die es im kommenden Jahr viel häufiger geben sollte? Zeit mit Büchern. Zeit mit Spielen. Zeit mit Genuss.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Herzlich willkommen! Diese Frage ist der diesjährige Streichkandidat im Jahresrückblick – ich mag andere nämlich gar nicht aktiv überzeugen. Im kommenden Jahr wird sie deshalb schonungslos ersetzt durch die Frage: »Träume gelebt? Wünsche erfüllt?« (In diesem Jahr wäre die Antwort: Keine großen, zu wenig kleine, aber viele Anfänge gemacht.) 

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Das müssten in diesem Jahr tatsächlich einmal die Beschenkten beantworten.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? So aus alt-eingeübter Konsumgütersicht: Irgendetwas zwischen Basketballkorb und Dartscheibe.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt oder mir geschrieben hat? »Will man erfolgreich sein, muss man auch mal investieren, Herr Proksch.« (1&1-Kundenhotline)

Welche wichtige Erkenntnis habe ich in diesem Jahr gewonnen? In welche Richtung es sich beruflich weiter entwickeln könnte bei mir – mit bereits zwei theoretisch eingebauten Abzweigungen.

Wofür bin ich in diesem Jahr besonders dankbar? Alles das, was Greta Thunberg positiv angestoßen hat.

Enttäuscht hat mich? Ich mich meistens selbst.

2019 zum ersten Mal getan? Mich Teamleiter genannt. Auf einer Subscribe gewesen. Eine HoloLens ausprobiert. Einen Songtext geschrieben und beim Musikverlag die Bearbeitungsgenehmigung für das Lied erfragt. Einen GEMA-Lizenzvertrag abgeschlossen. Mit einem E-Scooter gefahren. Auf einem Stand-up-paddling-Board gestanden. Autofahrscham empfunden. Trockenshampoo verwendet. Ohne Kinder im Restaurant gewesen (Butangas, Butangas). Podcastpate geworden. Ein Spiel beim Bonner SC gesehen. Weihnachten im Ugly Christmas Sweater gefeiert.

2019 nach langer Zeit wieder getan? Den Super Bowl in Gesellschaft geschaut. Eine Domain gekauft (aber noch nichts damit gemacht). Renoviert. Kegeln gewesen. Neue Restaurants besucht. In einem Wohnwagen übernachtet. In einer Museumsausstellung gewesen. Ein Kind eingeschult. Einen Film unter freiem Himmel geschaut. Von einer Biene stechen lassen. Eine Wand verputzt. Den Mobilfunkanbieter gewechselt. (Fast) an einer Demo teilgenommen – ich war leider zu spät dran. Auf einer Beerdigung gewesen. Bei einem Umzug geholfen. Im Zirkus gewesen. Meinen Job gekündigt. Auf Schlittschuhen fortbewegt.

Und was war sonst noch? Der erfolgreiche Umbau des Oma-Podcasts. Der Ausflug zu Künstler Arno. Der von Fieber geprägte Nordsee-Urlaub. Familienfernsehen wie damals bei »Wetten, dass..?«. Üben für den Känguru-Test. Der Schirrmacher. Tourauftakt der »Jetzt könnt auch ihr mal klatschen"-Tour 2019 in unserem Wohnzimmer. Unser Kellner in Cannobio. Das 90+-YouTuber-Video. Die großartige Frauen-Fußball-WM. Die Rache des gefällten Flachwurzlers. Mehrere SkyTicket-Fuckups. Die Erwähnung im laufenden Programm von WDR2 (vor dem Umweltsau-Fuckup). The Masked Singer. Die lange Esel-und-Teddy-Pause. Der Ausflug zur Festung Ehrenbreitstein. Wolli in der Nase. Der Zebrastreifen-Erfolg. Der Anruf bei unseren Wasserproduzenten. Der Fahrradsatteldiebstahl. Die mit Ina Aogo ausgetauschte Sprachnachricht. Chez Krömer, Krause kommt, Das Jenke-Plastik-Experiment. Die Wurmkiste. Fallon Sherrock bei der Darts-WM. Keine Böller zu Silvester.

Vorherrschendes Gefühl 2019? Mitleidige Freude darüber, das richtige Leben im falschen führen zu wollen, obwohl das doch eigentlich nicht geht. Aber weiterhin kleine Erfolge zu feiern und das immer häufiger zu tun: Das darf 2020 werden.

2019 war mit einem Wort? Ambivalent.