
Jahresrückblick 2025
War es jemals schwieriger, Jahre pauschal zu bewerten, als in einer Zeit, in der alles in Unordnung zu geraten scheint?
Ich weiß es nicht.
Ich weiß aber, wir sehr ich es mag, mich zum Jahresende durch alle Fotos zu klicken, meine Dumps und Toots durchzulesen, kleine Ereignisse zu zählen und festzuhalten, was hängen geblieben ist. Alltägliches steht dabei neben Einmaligem, Leichtes neben Schwerem. Manche Erkenntnisse überraschen mich selbst, andere sind jedes Jahr gleich und dürfen gerade deshalb wieder gesagt werden.
Der alljährliche Jahresrückblick ist deshalb keine abschließende Bewertung. Er ist eher eine lose Sammlung von Momenten, Beobachtungen und Gedanken aus einem Jahr, das sich nicht immer leicht angefühlt hat, aber erstaunlich tragfähig war. Oder anders gesagt: ein Versuch, 2025 einmal in Ruhe anzuschauen, bevor es 2026 einfach weitergeht.
Zugenommen oder abgenommen? Es macht mich richtig glücklich, dass ich nach dem Termin beim Kardiologen und der Ernährungsumstellung gemächlich 5 Kilogramm verloren habe. Daran kann ich 2026 anknüpfen, um vorne nicht mehr die 7 zu sehen. Und dabei hilft auch, dass ich mein Gewicht wöchentlich in diese Fit-for-life-Gruppe poste.
Mehr bewegt oder weniger? Die eine App sagt 2,6% weniger Schritte, die andere 2,1% im Vergleich zum Vorjahr. So oder so habe ich aber wieder die Vier-Millionen-Schritte-Marke geknackt und den Seven-Streak aufrechterhalten.
Haare länger oder kürzer? Vor dem Haareschneiden so, danach so.
Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Himmel, diese Frage kann man ja auch jenseits der Augenkraft beantworten! Hier versteckt sich sogar vielleicht der Schlüssel für ein ausgeglichenes Leben.
Mehr ausgegeben oder weniger? Die teuerste Anschaffung? Trotz des Karnevalsrabatts hat der ID.4 dazu beigetragen, dass das ein überdurchschnittlich teures Jahr war. Alle weiteren Gründe folgen.
Das leckerste Essen? Das Buffet im »Lotta gönnt sich was«, das Chicken Parmigiana im »LouLou«, das Frühstück im »Café Caprista«, das Pistazien-Ricotta-Pesto, die sizilianischen Pfirsiche und Panini mit Salsiccia vom Markt, die mit Vanilleeis gefüllten Macarons, die Tapas im »El Patio«, die Mezze im »Beirut«.
Das beeindruckendste Buch? »Das Jahr des Dugong« von John Ironmonger habe ich auf dem Rückweg aus Paris im Zug gelesen. Beeindruckend schuldig im Sinne der Anklage.
Der berührendste Film? Die diesjährige Höchstwertung mit neun von zehn Punkten habe ich für fünf Filme notiert:
- Mit dem Rewatch von »Speed« (1984) wollte ich überprüfen, ob ich den immer noch so gut finde wie mein 16-jähriges Ich. Ja, unverändert, aber berührend ist er nun nicht gerade.
- »Sterben« (2024) ist fantastisch gespielt, aber genau diese Feststellung hat mich oft aus dem Film herausgezogen.
- Die Neuverfilmung von »Momo« (2025) verfing am Anfang so gar nicht bei mir, aber die Geschichte von Michael Ende ist einfach zu gut, als dass sie mich nicht hätte nicht packen können. Wie Momo da vor dem Tresor sitzt wie seinerzeit Greta vor der Schule, das ist schon ein wahnsinnig starkes Bild.
- »The Father« (2020) war der erste Film, den ich in diesem Jahr geschaut habe. Ich bin froh, dass uns mit unseren Eltern dieses Schicksal erspart geblieben ist.
- Den Titel aber bekommt »Brooklyn – eine Liebe zwischen zwei Welten« (2015) in diesem Jahr. Ich kann gar nicht in einfache Worte fassen, was diese Filme zu solchen macht, die mich einfach erwischen. Aber dieser hat es volle Breitseite.
Das beste Lied? Der Streaminganbieter, der nicht genannt werden darf, aber leider diesen praktischen Familienaccount anbietet, behauptet, dass es »Good Time Crew« von Kakkmaddafakka sei. Seit unserem Background-Auftritt bei Podstock höre ich aber auch »Mr. Jones« von Counting Crows mit ganz anderen Ohren.
Der beste Podcast? Auch hier fällt es mir schwer, nur einen Podcast oder gar eine Episode auszuwählen:
- Was Johannes mit »LANOs Troubleshooters« auf die Beine stellt, kann man gar nicht mehr Hobbyprojekt nennen. Es ist schön, ein Teil dessen zu sein – und das gemeinsame Livehören der ersten Staffel über Discord war ein ganz besonderer Moment in diesem Jahr.
- Die vierte Staffel von »Telephobia« startet mit einer Folge, bei der ich vor Rührung im Zug laut schluchzen musste. Die Geschichten bleiben einfach weiterhin toll erzählt.
- Irgendwann bin ich bei »Auch interessant!« eingestiegen – und selten war ein Podcastname dermaßen zutreffend. Was Ali Hackalife zu besprechen hat, ist in aller Regel auch wirklich interessant.
- Bei den »LEFTOVERS« ertappe ich mich regelmäßig dabei, vor Glückseligkeit beim Hören zu lachen oder zu weinen. Schwieriges Thema, sehr gut erzählt.
- Na ja, und wenn der eigene Podcast volljährig wird und das mit einer kleinen Feier in Köln begeht, gehört er zumindest in diesem Jahr einmal in die Reihe der besten Podcasts – einfach weil »Esel und Teddy« fantastische Hörer*innen haben, die uns zu unserer 800. Folge später im Jahr auch noch einen kleinen Wald geschenkt haben.
Die schönste Zeit verbracht mit? Meinen dreien. Immer und immer wieder.
Erfreut haben mich? So viele liebe Menschen auf unserer Podcast-Geburtstagsfeier, die ich zum Teil vorher weder gesehen noch digital gekannt habe. So wurde Podstock 2025 vom Auswärtsspiel zum Heimspiel.
Welche drei Erlebnisse haben dieses Jahr besonders geprägt? Sechs Konzerte, drei Reisen und zwei Ausstellungen. So ein üppiges Jahr war das.
Drei Dinge, die es im kommenden Jahr viel häufiger geben sollte? Drei terminlose Wochenenden, die nicht in die Urlaubszeiten fallen und an denen ich guten Gewissens nur schöne Sachen mache. (Ja, das kann nur ich mir selbst schenken.) Alternativ: Meinen Musikkonsum verdreifachen. Bewusstes Musikhören hat in diesem Jahr oftmals sehr gut getan.
Träume gelebt? Wünsche erfüllt? Ich glaube, dass es ein noch schöneres Gefühl ist, dabei zu sein, wenn die Wünsche anderer Menschen in Erfüllung gehen und ihre Träume greifbar werden. Davon gab es in diesem Jahr so einige.
Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Ich mochte die Postkarten aus der Morpho-Maschine sehr. Aber auch die Mithilfe am Buch von Julia Maria Kirchberg.
Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Die 24-Stunden-Auswertung meines Blutdrucks.
Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt oder mir geschrieben hat?
- »Deine Haut ist zu kurz.«
- »Greifen jetzt die körpereigenen Drogen?«
- »Du schleichst hier wie so ein Chlochard durch das Wohnzimmer auf der Suche nach was Essbarem.«
- »Vatti, ich habe übrigens deine Socken an.«
- »Vielleicht bist du auch einfach zu gut.«
- »Du hast das Spiel nicht verloren. Die Regeln haben sich nur geändert.«
- »Machen Sie sich nicht verrückt, dann sehen wir uns nicht wieder.«
- »Ab jetzt: Selbstfürsorge!«
- »So beweglich sind nicht viele Männer in Ihrem Alter.«
Welche wichtige Erkenntnis habe ich in diesem Jahr gewonnen? Dass nicht jeder Termin wie ein Termin behandelt werden sollte.
Wofür bin ich in diesem Jahr besonders dankbar? So viele kluge Gesprächspartner*innen an meiner Seite zu wissen.
Enttäuscht hat mich? Die Drohung. Die Stummschaltung. Das Tribunal.
2025 zum ersten Mal getan? Eine Schneerakete gebaut, Jan Böhmermann und das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld live gesehen, in einem Synchronstudio vor dem Mikrofon gestanden, auf einem Pixelfed-Account mit Dump-Posts gestartet, live beim Sanremo-Festival eingeschaltet, Seerosen dirigiert, Tom Gaebel live gesehen, Tortenaufleger drucken lassen, in Premium-Seats einen Film geschaut, Maastricht besucht, E-Cart-Battles gefahren, meinen Rechner mit Aufklebern beklebt, das ESC-Bingo gespielt, den Eiffelturm bestiegen, gevibecodet, ein Spermiogramm erstellen lassen, meinen Geburtstag im Sommer gefeiert, Kennzeichen gesammelt, Radio Vorarlberg und 90s90s gehört, mein Fahrrad zur Inspektion gebracht, eine Bombe entschärft, mich in PowerPoint-Karaoke versucht, mit dem Bogen geschossen, ein analoges Point-and-Click-Adventure gespielt, beim Bingo gewonnen, den Chiropraktiker aufgesucht, an einem Tippspieltag mit allen neun Tendenzen richtig gelegen, den fantastischen Benson Boone live gesehen, den ganz anders fantastischen Guildo Horn live gesehen, die Türdämmung am Kamin ersetzt, »Lass dich nicht erwischen« gespielt.
2025 nach langer Zeit wieder getan? Einen Raum renoviert, eine Radtour gemacht, in der Springmaus gewesen, ein Barcamp besucht, Podcast-Hörer*innen eingeladen, ein Linux-System installiert, Bowling gespielt, in der Hardtberghalle gewesen, Basketball gespielt, eine Hochzeit gefeiert, in einer Kneipe versackt, die Garagenwand gestrichen, einen Erste-Hilfe-Kurs besucht, einen Storch in freier Wildbahn gesehen, ein Segelboot gefahren, Ascona besucht, eine Armkette gekauft, Nasenflöte gespielt, Eier gegessen, einen Gewürzkuchen gebacken, einen Salzbraten gemacht, einen Escape-Room gelöst.
Und was war sonst noch? Das Zusammentragen der Steuerunterlagen am Neujahrstag, die Verkäufe und Auktionen, die Zeichen des Himmels, die Standuhrreparatur, Erstunterstützer von Save Social, Ghosting durch Handwerker und Anwälte, Mr. Invincible, die Centstück-Sammlung, die von Herzen ergriffene Soldatin, das Why-not-Klebetattoo, der wiedergefundene Kopfhörer, der Dialog mit dem Verkäufer an der Käsetheke, Doppel-Kamikaze bei Cabo, der Strandtag in Zülpich, die Ginger-Ale-Bowle, die Vignette auf der Zigarettenschachtel, meine Nashies, die Alufolien-Verdunkelung, das Gespräch mit der Küsterin, die Devotionalien von Ruth Maria Kubitschek, unser Kellner, die geschenkte Pergola, die Führungskräfteseminare, die tagelange Suche nach einem neuen Appartamento, Ameisenstraßen in der Küche, Lagerfeuerabende mit Restholz, Klickvieh, die Apfelbaumbestimmung, Warteschlangen auf der Buchmesse, der unerfolgreiche Dufttest, der Ausflug nach Bremerhaven, das beste Tom-Odell-Konzert bisher, der Umstieg zu Tuta, der Geburtstagsvormittag in Bonn, vier wunderschöne Lebkuchenhäuser, Schienenersatzverkehr XXL, fast 500 Bäume in Nicaragua, die Stirnlampen in der Post, die Geräusche vom Zoe, die Frau mit den heilenden Händen, die Hausbewertung, Kartoffelchips am Vormittag, Fridas Wassermelonen, »jeder lebt sein eignes Leben, aber wenn wir uns begegnen, ist es so, wie's früher war, das ist die beste Zeit im Jahr«, der Wechsel von Bookwyrm zu Storygraph, vier Kinobesuche, eine zweistellige Anzahl gefangener Mäuse, ein nicht unterbrochener Duolingo-Streak, dieses Blogdings mit zusätzlichem i und endlich ohne Cookie-Banner.
Vorherrschendes Gefühl 2025? »Am Ende haben wir es noch irgendwie durchgeprokscht.«
2025 war mit einem Wort? Resilient. ▪